Das Unternehmen 3M (Minnesota Mining and Manufacturing Company) steht für eine Vielzahl unterschiedlicher Marken. Zu den weltweit bekanntesten Produkten zählen „Post-it“ (Haftnotizen) und „Scotch“ (Klebefilme). Der Mischkonzern aus Saint Paul (US-Bundesstaat Minnesota) engagiert sich in allen wesentlichen Sektoren der Wirtschaft: Elektronik, Gesundheit, Industrie, Bau und Verkehr.

Alles in allem stellt der im Jahr 1902 gegründete 3M-Konzern über 60.000 verschiedene Produkte her. Die massive Produktdiversifikation verschafft dem Unternehmen einen stetigen und gesicherten Absatz. Zuletzt setzt 3M 35,35 Milliarden US-Dollar (2021) um und beschäftigt 96.000 Mitarbeiter. Seit 1916 bezahlt 3M – ohne Unterbrechung – jedes Quartal eine Dividende an die Aktionäre.  

Was ist die Story des Unternehmens und lohnt es sich der Einstieg als Investor? Welche Chancen und Risiken bietet diese Aktie, wie hoch fällt die Dividende aus und was ist die Einschätzung des Autors?

Bescheidene Anfänge in Minnesota

Vor über 100 Jahren begann 3M als kleines Bergbauunternehmen im Norden von Minnesota. Fünf Gründer eröffneten die Minnesota Mining and Manufacturing Company, um Korund abzubauen. Das Mineral eignet sich ideal für die Herstellung von Schleifpapier. Was man für Korund hielt, stellt sich allerdings als minderwertiges Mineral namens Anorthosit heraus.

Diese Fehleinschätzung hätte ein frühes Ende für das junge Unternehmen bedeuten können. Doch die Gründer blieben hartnäckig und wandten sich unterschiedlichen Mineralien zu, um neue Produkte zu kreieren. Innovation, Ausdauer und Zusammenarbeit trieben die Gründer an und treiben 3M bis heute an: Weltweit verwenden Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mehr als 60.000 unterschiedliche 3M-Produkte.

Ein Drittel aller Umsätze stammt von Produkten, die in den letzten fünf Jahren entwickelt wurden. Mit Unternehmensaktivitäten in 70 Ländern und Verkäufen in 200 Ländern ist 3M global aufgestellt und bestrebt, die Lösungen und Produkte zu entwickeln, die jedes Unternehmen voranbringen, jedes Zuhause und das Leben verbessern.

Rasante Entwicklung zum globalen Konzern

Die Ursprünge von 3M liegen im Abbau von Mineralien und in der Herstellung von Schleifpapier für die aufstrebende Automobilindustrie. Beim Testen von Schleifproben in einer Karosseriewerkstatt stellte der 3M-Laborassistent Richard Drew fest, dass die Lackierer Probleme hatten, Autoteile zu maskieren. Seine Idee führte 1925 zur Erfindung des Abdeckklebebands. Heute werden unzählige Klebebandprodukte unter dem Markennamen Scotch angeboten.

3M richtet 1937 ein zentrales Forschungslabor ein, um Technologien für neue Produkte zu erforschen. Ein Durchbruch für 3M waren reflektierende Materialien, die zur Verbesserung von Verkehrszeichen und Markierungen verwendet werden. 1960 führte 3M ein erstes hypoallergenes Klebeband ein, das Produkt war ein Schlüssel zum Erfolg im Gesundheitsgeschäft.

Auf dem Flug zum Mond wurden 3M-Produkte eingesetzt, ein synthetischer Kautschuk, der in den Stiefeln der Astronauten Verwendung fand. 1979 führt 3M ein wärmedämmendes Gewebe ein und verhilft der Bekleidungsindustrie zu neuen und verbesserten Produkten. Ein Jahr später kamen die legendären gelben Klebezettel auf den Markt. Mit Post-it verändert 3M eindrucksvoll das Kommunikations- und Organisationsverhalten der Menschen.

Bis zum heutigen Tag ist 3M ein unaufhörlicher Innovationstreiber. Beschichtungen steigern den Ertrag von Solaranlagen oder Gewächshäusern. Fahrbahnmarkierungen verbessern die Lesbarkeit für Sensoren und bringen das autonome Fahren näher. Hochmoderne Kleber ersetzen Schraubverbindungen, sparen Gewicht und ermöglichen innovative Konstruktionen im Automobilbau und in der Luftfahrt. 3M Glass Bubbles (winzige Glasrohkugeln) finden Anwendung in der Bauindustrie, um das Sonnenlicht zu reflektieren.    

Wissenswertes über 3M

Erst 2002, also einhundert Jahre nach der Gründung, wird 3M Company zum rechtlichen Namen von 3M – ursprünglich als Minnesota Mining and Manufacturing Company gegründet. 2004 übersteigt der Umsatz von 3M erstmal die Grenze von 20 Milliarden US-Dollar und 2013 übersteigt der weltweite Umsatz die Marke von 30 Milliarden US-Dollar.

Einen Meilenstein in Sachen Innovation erreicht 3M 2014 mit der Erteilung des 100.000sten Patents. Jahr für Jahr meldet 3M etwa 3.000 weitere Patente, davon mehr als 500 in den USA. Ein Drittel des Umsatzes stammt aus Produkten, die in den letzten fünf Jahren erfunden wurden. Das Unternehmen ist in der Lage zündende Ideen in Tausende von einfallsreichen Produkten umzusetzen, die das Leben besser machen.

Merkmal von 3M ist die Kombination von Träger und Beschichtung: So bestehen die wieder ablösbaren Post-It-Haftnotizzettel aus Papier (Träger), beschichtet mit Klebstoff. Bei Schleifpapier fungiert Papier oder Gewebe als Träger und der Schleifkorn als funktionelle Beschichtung. Gleiches gilt für CD-Rohlinge, Polycarbonat als Träger mit lichtempfindlicher Schicht zum Brennen. Ein weiters Beispiel sind Medizinprodukte, ein sensibler Träger mit hautfreundlichem Klebstoff als Beschichtung, ergibt als Produkt das Pflaster.

Michel F. Roman ist seit Juli 2018 CEO von 3M und seit 2019 Vorstandsvorsitzender. Zuvor war er COO, leitet die größte Business Group von 3M und war Chefstratege. Der Manager (Jahrgang 1959) studierte an der University of Minnesota (Computer-Engineering) und Elektrotechnik an der University of Southern California. Zu Beginn seiner Karriere arbeitet Roman fünf Jahre für die Hughes Aircraft Company und kam 1988 als Senior-Design-Engineer zu 3M. Während seiner langjährigen Karriere hat Roman für 3M-Unternehmen in den USA, aber auch in Asien und Europa gearbeitet.

Investment Case

Als Mischkonzern zählt 3M zu den eher defensiven Konsumwerten. Tatsächlich sind Mischkonzerne bei den Investoren eher unbeliebt, weil sie oft in Branchen unterwegs sind, die sich nicht wirklich ergänzen. Synergieeffekte halten sich in Grenzen und nicht selten entwickelt sich die Konzernzentrale zum bürokratischen Wasserkopf. Andererseits hilft eine breite Aufstellung dem Unternehmen dann, wenn ein Bereich zeitweise unter Druck gerät und andere Geschäftsfelder die finanziellen Einbußen kompensieren können.

Der 3M-Konzern teilt sich in vier Segmente auf

Die umsatzstärkste Sparte ist Safety & Industrial mit einem Anteil von 34,1 % am gesamten Konzernumsatz. Die Sparte produziert Schleifmittel, Klebstoffe oder fortschrittliche Baustoffe (Brandschutz) und Werkstoffe (Keramik). Gefolgt von Transportation & Electronics (26,5 % vom Umsatz), diese Sparte bedient als Zulieferer die Auto- und Luftfahrtindustrie mit elektronischen Komponenten, mit Folien (3M Vehicle Wraps & Trims) oder Dämmmaterial.

Der Bereich Health Care (24,3 % vom Umsatz) ist traditionell in der Zahnmedizin stark und liefert u.a. Füllmaterial für die Kieferorthopädie. Hinzu kommen Produkte für die Wund- und Heilbehandlung sowie Schutzausrüstung für Gesundheitspersonal. An den Endverbraucher richtet sich die Sparte Consumer (15,1 % vom Umsatz) mit Büromaterialien (die berühmten Post-It) oder Hilfsmitteln für Hand- und Heimwerker (Klebeband, Schutzmasken).

Das neue Unternehmen 3M

Aktuell plant 3M die Gesundheitssparte auszugliedern und als unabhängiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Health Care mach etwa 8,6 Mrd. US$ Umsatz aus und trägt mit ca. 2,7 Mrd. US$ zum EBITDA bei. Bei 3M verbleiben nach dem Börsengang drei Segmenten und 26,8 Mrd. US$ Umsatz. Das Management der „neuen“ 3M beabsichtigt eine Beteiligung von 19,9 % an Health Care zu behalten, die aber im Laufe der Zeit veräußert wird.

Die „neue“ 3M-Company soll ein führender Innovator in der Materialwirtschaft bleiben. Gleichzeitig entsteht ein global führendes Unternehmen für Gesundheitstechnologie. Das Management möchte nicht nur Werte heben, sondern beide Unternehmen agiler und fokussierter am Weltmarkt positionieren. Beide Aktien bieten unterschiedliche und überzeugende Anlageprofile, die neue Anlegerkreise ansprechen sollen.

Um eine schnelle Entschuldung zu ermöglichen, soll Health Care mit einer moderaten Nettoverschuldung vom 3 bis 3,5fach bereinigtes EBITDA ausgegliedert werden. Läuft alles nach Plan soll die Transaktion bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Rechtsstreit um Dual-End-Combat Arms-Ohrstöpsel

Kampfeinsätze, Trainingseinheiten und laute Geräusche von Fahrzeugen, Flugzeugen und Waffensystemen erhöhen das Risiko von Hörverlust bei Soldaten. Von 2003 bis 2015 lieferte Aeroro dem US-Militär exklusiv Ohrstöpsel mit zwei Enden, um das Gehör der Soldaten zu schützen. Gleichzeitig sollten die Ohrstöpsel ermöglichen, Befehle und Kameraden im Gefecht zu hören.

3M erwarb 2008 Aeroro Technologies und führte die Verträge mit dem US-Militär fort. 2016 kam es durch einen Whistleblower zur Klage: Ein Konstruktionsfehler könnte zu Hörschäden bei Militärangehörigen geführt haben. 2018 wurde einem Vergleich über 9,1 Mio. US$ mit dem US-Justizministerium abgeschlossen. Seither haben Hunderte Veteranen wegen Hörverlust und Tinnitus Klage gegen 3M eingereicht.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema gibt es auf drugwatch.com zu lesen und auch 3M hat zum Rechtsstreit eine Meinung.

Aeroro Technologies hat sich in diesem Zusammenhang entschieden ein Verfahren nach Chapter 11 (Sanierung im Insolvenzverfahren) anzuwenden, um alle anstehenden Probleme zu lösen. Gleichzeitig hat das Management von 3M Entschädigung in Höhe von 1,24 Milliarden US-Dollar zugesagt.

Factsheet Download
MoneyUpdate Aktie 3M

 

Cookie Consent mit Real Cookie Banner