Wie sehr der Preis für Reis von Spekulation bestimmt ist, lässt sich an der Entwicklung der letzten Monate festmachen: Bis zum Mai dieses Jahrs schoss der Weltmarktpreis für Reis ungebremst in die Höhe. Exportbeschränkungen und panikartige Käufe feuerten die Situation kräftig an: Indien und Vietnam verhängen Exportbeschränkungen und gleichzeitig verkünden die Philippinen massive Käufe, um somit einer weiteren Verknappung zuvor zu kommen.

Doch der weltgrößte Importeur musste geplante Käufe annullieren. Denn in Thailand, dem größten Reis-Exporteur horteten die Bauern, Zwischenhändler und Mühlen ihren Reis, um höhere Preise erzielen zu können. Nicht zuletzt schraubten die Verbraucher in ganz Asien, durch Hamsterkäufe, die Nachfrage und damit den Preis auf einen neuen Höhepunkt. Die Sturm-Katastrophe in Birma ließ quasi das Fass zum Überlaufen bringen: Der Zyklon verwüstete die Reiskammer Birma mitten in der Erntezeit.

Inzwischen sank der Weltmarktpreis für Reis von seinem Hoch bei 24 US$ je amerikanischen Zentner (45,3592 kg) auf derzeit knapp 18 US$. Warum? Pakistan kündigte an, die Exportbeschränkungen zu lockern und prompt viel der Preis an der Warenterminbörse in Chicago auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. Und auch in Indien sieht es nach einer Lockerung der Exportbeschränkungen aus: Die Ernte soll um mehr als zwei Millionen Tonnen größer ausfallen als im Vorjahr.

Trotzdem ist das Problem noch lange nicht gelöst. Langfristig drohen weiter steigende Preise. Der Agrarsektor in Asien wurde politisch lange Zeit schwer vernachlässigt. Die höheren Weltmarktpreise bringen jetzt wenigstens Bewegung in den Reisanbau.

Dieser Sektor schreit geradezu nach mehr Geld für Forschung, Bewässerung und Schulung von Bauern in moderne Anbaumethoden. Und inzwischen sind erste Ansätze im neuen Denken sichtbar: In Thailand reaktivieren Bauern Felder, die jahrelang brach lagen und die Regierung lässt neue Flächen zum Reisanbau umwandeln.

(Juli 2008)