Manager für Private Markets
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Stell dir vor, du stehst in Stockholm. Es ist kalt, klar, und während an der Nasdaq die Händler schreien und Algorithmen im Mikrosekundentakt Vermögen vernichten, herrscht in der Regeringsgatan 25 eine fast unheimliche Stille. Hier sitzt keine Zockerbude. Hier sitzt das industrielle Erbe der Familie Wallenberg.
EQT ist kein Ort für schnelles Geld. Es ist eine Maschine. Eine, die Unternehmen kauft, sie zerlegt, ölt, poliert und teurer wieder verkauft. Während du auf deinen Bildschirm starrst und dich fragst, warum deine Tech-Aktie gerade 5 % verloren hat, planen diese Leute in Jahrzehnten.
Hand aufs Herz: Hast du dich jemals gefragt, wer eigentlich die Firmen besitzt, die nicht an der Börse sind? Die Antwort lautet oft: EQT. Und jetzt schauen wir uns an, ob du Teil dieser Maschinerie sein solltest.
Das Geschäftsmodell: Wie hier die Kronen rollen
EQT ist im Kern ein Asset Manager, aber nicht für Aktienfonds, sondern für „Private Markets“. Vereinfacht gesagt: Sie sammeln Geld von riesigen Pensionskassen (und neuerdings von reichen Zahnärzten) ein und kaufen damit ganze Firmen, Infrastruktur oder Immobilien.
Das Modell steht auf zwei Säulen – und das musst du verstehen, sonst bist du hier falsch:
- Management Fees (Die Miete): EQT verwaltet das Geld anderer Leute (Assets under Management, kurz AUM). Dafür kassieren sie eine Gebühr, meist um die 1,5 %. Egal, ob die Märkte steigen oder fallen – diese Gebühr fließt. Sie ist der Herzschlag der Firma.
- Carried Interest (Der Bonus): Wenn EQT eine Firma verkauft und dabei eine bestimmte Rendite (die „Hurdle Rate“) knackt, behalten sie etwa 20 % des Gewinns. Das ist der „Carry“. Das ist der Champagner.
Wichtig: Du kaufst hier die Aktie der Management-Gesellschaft (EQT AB), nicht die Fonds selbst. Du bist der Casino-Betreiber, nicht der Spieler am Tisch.
Wo das Geld wirklich hängen bleibt
Lass uns den Geschäftsbericht vom Januar 2026 aufschlagen (Zahlen für das Gesamtjahr 2025). Kurz mal durchatmen – das ist beeindruckend.
- Umsatz: 2,73 Mrd. Euro (+16 % im Vergleich zum Vorjahr). Das ist kein explosionsartiges Tech-Wachstum, aber es ist massiv und stetig.
- Die Marge aus Stahlbeton: Das EBITDA (bereinigter Gewinn vor Zinsen/Steuern) liegt bei 1,64 Mrd. Euro. Das entspricht einer Marge von 60 Prozent. Lies das noch mal: Von jedem Euro Umsatz bleiben 60 Cent als operativer Gewinn hängen. Das ist Software-Niveau in der Finanzbranche.
- Assets under Management (AUM): Wir sprechen hier von rund 270 Milliarden Euro Gesamtvermögen. Davon sind ca. 142 Milliarden Euro „fee-generating“ – also das Kapital, auf das EQT sicher Gebühren kassiert.
Die Interpretation: EQT schwimmt im Geld. Die Übernahme von Baring Private Equity Asia (BPEA) ist verdaut und liefert jetzt ab. Die Dividende wurde auf ca. 4,30 SEK (in zwei Tranchen) angehoben. Das ist keine „High-Yield“-Aktie, aber eine Dividende, die so sicher wirkt wie ein schwedischer Volvo aus den 90ern.
Das Spannungsfeld – Stärke trifft Risiko
Hier führen Bulle und Bär einen Boxkampf in deinem Kopf. Wer gewinnt?
Das Bullen-Argument (Warum du kaufen willst):
- Sticky Capital: Wenn eine Pensionskasse EQT Geld gibt, ist das oft für 10 Jahre „eingesperrt“. EQT hat kein Problem mit nervösen Anlegern, die morgen ihr Geld abziehen. Das Kapital ist „sticky“ (klebrig).
- Der Wallenberg-Faktor: Hinter EQT steht Investor AB. Das öffnet Türen, die für andere verschlossen bleiben. Ein Burggraben aus Beziehungen und Reputation.
- Skaleneffekte: In dieser Branche frisst der Große den Kleinen. EQT ist einer der Top-3-Player weltweit (außerhalb der USA).
Das Bären-Argument (Warum du vorsichtig bist):
- Die Zins-Falle: Private Equity lebt von günstigen Krediten („Leverage“), um Firmen zu kaufen. Sind die Zinsen hoch, sinken die Renditen der Deals.
- Der Exit-Stau: Um den „Carry“ (den Bonus) zu kassieren, muss EQT Firmen verkaufen (IPO oder an andere Investoren). Wenn der IPO-Markt einfriert, fließt kein Bonus. 2024/2025 war hier zäh, auch wenn es sich Ende 2025 lockerte.
- Bewertung: EQT wird oft mit einem KGV von 25-30+ gehandelt. Der Markt erwartet Perfektion. Jeder kleine Patzer wird bestraft.
Was gerade wirklich passiert
Wir schreiben Februar 2026. Was bewegt den Kurs?
- Wachablösung: Per Franzén übernimmt (seit Mai 2025) das Ruder als CEO von Christian Sinding. Sinding bleibt als Chairman aktiv. Solche Wechsel bringen Unruhe, aber Franzén ist ein Eigengewächs. Die Maschine läuft weiter.
- Private Wealth Offensive: EQT hat erkannt, dass die großen Pensionsfonds fast „voll“ sind. Jetzt will man an dein Geld (bzw. das von vermögenden Privatleuten). Produkte wie „EQT Nexus“ sollen Private Equity demokratisieren. Das Ziel: 15–20 % des neuen Geldes sollen von Privatleuten kommen. Das ist der Wachstumsmotor der nächsten Jahre.
- Die Ernte: Ende 2025 hat EQT begonnen, den „Exit-Stau“ aufzulösen. Verkäufe ziehen an, was wieder Cash in die Kasse spült.
Essay des Autors: Die Demokratisierung der Rendite
Lass uns einen Schritt zurücktreten. Warum ist EQT eigentlich so interessant? Weil sich die Börse verändert hat. Früher konntest du Unternehmen wie Apple oder Amazon früh an der Börse kaufen. Heute bleiben die besten Firmen viel länger privat. Wer profitiert davon? Private Equity. Wenn diese Firmen an die Börse kommen, ist das größte Wachstum oft schon vorbei – abgeschöpft von EQT und seinen Kunden.
Suche nach dem dummen Geld?
Lange Zeit war dieses Spiel ein geschlossener Club. Mindestanlage: 10 Millionen Euro. Einladung nur per Handschlag. Doch EQT bricht diesen Club gerade auf. Nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Notwendigkeit. Die institutionellen Töpfe (Staatsfonds, Versicherungen) wachsen nicht mehr schnell genug für den Hunger von EQT. Also öffnen sie die Tore für das „Private Wealth“ – für den Mittelstandsmillionär, den erfolgreichen Anwalt, den Arzt.
Ist das gut?
Für EQT: Fantastisch. Diese Anleger sind weniger preissensibel und zahlen oft höhere Gebühren als ein Staatsfonds aus Norwegen. Für den Anleger: Zweischneidig. Du bekommst Zugang zur „Königsklasse“. Aber du kommst spät zur Party. Kritiker sagen: „Wenn die Taxifahrer Aktientipps geben, soll man verkaufen. Wenn Private Equity den kleinen Mann umwirbt, ist der Markt vielleicht am Top.“
Aber EQT ist anders als die aggressiven US-Player. Sie nennen sich „Industrialists“. Sie wollen Firmen besser machen, nicht nur finanziell ausquetschen. Dieser „nordische Touch“ ist ihr wichtigstes Marketinginstrument in einer Welt, die Private Equity oft misstrauisch beäugt.
Du wettest hier darauf, dass die Welt immer komplexer wird und Unternehmen immer mehr professionelle Hilfe brauchen, um zu wachsen (Digitalisierung, Nachhaltigkeit). EQT liefert diese Hilfe. Und lässt sich dafür fürstlich bezahlen.
Fazit des Autors
EQT AB ist keine Aktie für schwache Nerven, aber eine für gute Nächte.
- Was dafür spricht: Ein Geschäftsmodell mit extrem hoher Wiederkehrrate der Einnahmen und einer fast unverschämten Marge. Die Expansion in den Privatkunden-Markt ist der nächste große Hebel.
- Das reale Risiko: Ein langanhaltender Bärenmarkt, der Exits unmöglich macht, oder ein Reputationsschaden im Wallenberg-Imperium.
- Der Preis: Die Aktie ist fast immer „teuer“. Aber Qualität hat ihren Preis. Du kaufst hier den Ferrari unter den europäischen Finanzwerten.
Mein Gedanke zum Schluss: Wenn du glaubst, dass die Börse in Zukunft volatil bleibt und die wirkliche Wertschöpfung abseits des Parketts stattfindet, dann ist EQT dein Zugangsticket. Es ist der Türsteher zum VIP-Bereich der Weltwirtschaft. Die Frage ist nur: Willst du den Türsteher bezahlen?
Ein Wort in eigener Sache
Ich schreibe über Unternehmen, nicht über Kursziele.
Bin ich investiert? Vielleicht, mein Depot hat viele Positionen.
Diese Analyse ist keine Anlageberatung, sondern eine Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen.
An der Börse gibt es keine Garantien.
Wenn du investierst, trägst du das Risiko – und die Verantwortung.