Seit rund 20 Jahren habe ich mit der Ukraine zu tun.

Seit meinem Besuch in Tschernobyl (April 2006) sind zehn Jahre ins Land gegangen.

Die Ukraine hat sich in dieser Zeit sehr verändert:

Positive Schlagzeilen aus der Ukraine sind selten und im Osten des Landes schwelt ein Konflikt mit Potential zum großen Showdown zwischen Putin und dem Westen. Aber das ist ein anderes Thema.

Aktuell wird die Geisterstadt Pripyat von Touristen regelrecht überlaufen.

Die Vorsicht ist dem „Big Business“ gewichen. Dennoch solltest Du meine Zeilen aus der Vergangenheit mit Aufmerksamkeit lesen. Der Umgang mit der Todeszone mag sich verändert haben – nicht aber die Gefahr.


Die nachfolgenden Zeilen sind aus dem Jahre 2006.


Anreise mit dem Flugzeug

Flugverbindungen nach Kiew gibt es mehr als genug. Persönlich fliege ich mit osteuropäischen Airlines, zum Beispiel die tschechische CSA über Prag, die polnische LOT über Warschau oder die ungarische Malev über Budapest. Das sind heutzutage alles sichere Fluggesellschaften mit zuverlässigen Fluggeräten. Linienflüge von München nach Kiew kosten – je nach Buchungsvorlauf – zwischen 200 und 300 Euro. Mit Swiss Air oder Austrian Airlines war ich auch schon unterwegs nach Kiew. Wer keine Lust auf Umsteigen hat, die Lufthansa bietet Direktflüge, allerdings vergleichsweise zum doppelten Preis.

Hart gesottene Abenteurer reisen mit dem Auto nach Tschernobyl. Nicht nachmachen!

Update: Inzwischen bieten Low-Cost-Carrier regelmäßig Flüge nach Kiew an. Bei Wizzair gibt es den einfachen Flug schon mal für 50 Euro. Die Fluggesellschaft hat ihren Sitz in Budapest. Die Flotte besteht aus nur einen Flugzeugtyp, dem Airbus A320 und die Maschinen sind im Schnitt weniger als drei Jahre alt. Wizzair bietet Direktflüge von Köln, Dortmund und München-Memmingen nach Kiew an.

Sprache und Übernachtung

Das Schulsystem der ehemaligen Sowjetunion war durchaus anspruchsvoll. Doch die Weltsprache des Klassenfeindes war kein Bestandteil im Stundenplan. Jedenfalls nicht für die breite Bevölkerung. Erst nach der Wende hat sich das grundlegend geändert: Unter jungen Leuten kommst Du in Kiew, mit der englischen Sprache, ganz gut klar. Im Allgemeinen erwarte bitte keine Wunder, die meisten Menschen haben kaum oder äußerst begrenzte westliche Sprachkenntnisse.

Das liegt oft weniger an der Bildung, als vielmehr an den begrenzten Möglichkeiten, die gelernte Sprache auch zu sprechen. Mit anderen Worten: Ein paar Brocken Russisch sind echt hilfreich und öffnen Dir Türen und Herzen der Ukrainer. Selbstverständlich überlebst Du auch ohne Grundkenntnisse der russischen Sprache eine Reise in die Ukraine. Doch diese Reise wird dann nur halb so schön.

Am Flughafen Kiew-Borispol zum Beispiel ist Englisch kein Problem. Doch schon am Bahnhof oder am Busterminal könnte es schwierig werden, zumal die kyrillischen Schriftzeichen für zusätzliche Verwirrung sorgen. Zurück zum Flughafen: Die meisten Taxi-Fahrer sprechen kein Englisch. Also Vorsicht bei der Verhandlung um den Fahrpreis. Gerade die Taxifahrer am Flughafen sind richtig frech. Ein Taxi vom Flughafen in die City darf nicht mehr als 30 Euro kosten. Ohnehin gestaltet sich der Transfer vom Flughafen in die Stadt mit dem Linienbus am günstigsten. Alle Linien führen nach Kiew hinein und über den Moskauer Platz: Dort befindet sich der Hauptbahnhof, der zentrale Busbahnhof und die Metro. Kiew besitzt im übrigen ein vorzüglich ausgebautes U-Bahn-Netz.

In Kiew gibt es eine Reihe von Hotels. Aber das Angebot ist nicht ausreichend und das Preisniveau ausgesprochen hoch. Mindestens 60 US$ pro Nacht und Nase musst Du schon kalkulieren. Keine Ahnung, wie das eigentlich bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 laufen soll. Neue Hotels sind geplant und werden auch gebaut, doch weniger für die Low-Budget-Kategorie. Es ist nicht so als gäbe es in Kiew keine günstigen Hotels, doch Du musst Dich vor Ort auskennen oder Kontakte haben und eine Reservierung via Internet läuft nicht.

Zu den Hotels gibt es eine gute Alternative: Ein paar Agenturen bieten via Internet komplett eingerichtete Wohnungen zur Miete an. Wohnungen gibt es ab 50 US$ pro Nacht und zwei, drei oder vier Gäste kommen da prima unter. Eine Küche ist vorhanden, vor allem aber Telefon und Internet. Der Preis für eine Wohnung richtet sich nach Größe, Ausstattung und Lage. Die erste Zeit in Kiew habe ich diesen Service genutzt und unter dem Strich nur gute Erfahrungen gemacht. Wohnung auf der Webseite ausgewählt, die erste Übernachtung per Kreditkarte angezahlt und schließlich vor Ort in Kiew einen Mitarbeiter der Agentur getroffen. Der hat mich zur Wohnung gebracht, die Schlüssel übergeben und die Miete in bar kassiert. Bis zum Ende der Mietzeit hatte ich meine eigene Wohnung in Kiew. Kein Stress, keine blöden Fragen, vollkommen unabhängig und für hiesige Verhältnisse sicher.

Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone

Der Aufenthalt in der Tschernobyl-Zone ist grundsätzlich gefährlich aber gleichzeitig berechenbar. Was ich Dir damit sagen will: Der Besuch, von einigen Stunden in der Sperrzone, ist kein wirklich hohes Risiko für die eigene Gesundheit. Die Strahlenbelastung während eines Fluges über den Atlantik zum Beispiel gilt auch nicht als hohes Gesundheitsrisiko. In der Stadt Tschernobyl arbeiten und leben bis heute viele Tausend Menschen, welche die Zone verwalten, das ehemalige Kraftwerk vor dem kompletten Einsturz bewahren oder im Dienste der Wissenschaft Forschung betreiben. Die Arbeiter leben und arbeiten im 14-Tage-Rhythmus, mal innerhalb der Zone und dann außerhalb der Zone.

Wenn das alles so harmlos ist, warum dann eine 30-Kilometer-Sperrzone um den havarierten Kernreaktor? Nach der Explosion im Reaktor IV wurde radioaktives Material in die Luft geschleudert. Die Radioaktivität hat sich chaotisch verteilt. Regelrecht radioaktiv verseucht wurden ein nördlicher Teil der heutigen Ukraine und der Süden des heutigen Weißrusslands. Eine Fläche, welche mehrfach größer ist, als die eigentliche Sperrzone von Tschernobyl.

Die unmittelbare Gefahr für Dich sind so genannte Hotspots.

Das sind Orte oder Gegenstände mit besonders hoher Radioaktivität. Stellen, an denen Du Dir in wenigen Stunden einen Schaden fürs Leben holen kannst. Diese Hotspots liegen logischerweise vermehrt um den eigentlichen Explosionsort. Möglicherweise machst Du Dir keine richtige Vorstellung davon, welcher Dreck in der Nacht des 26.04.1986 in die Luft geschleudert wurde. Die fetten Brocken vielen in der unmittelbaren Umgebung zurück auf den Boden. Die feinen Partikel zogen in hohen Luftschichten davon und legten sich über halb Europa auf den Boden. Wie auch immer: Die heutige Geisterstadt Pripyat, mit einst 50.000 Einwohnern, liegt nur drei Kilometer Luftlinie vom Reaktor IV entfernt.

Die Geisterstadt

Über meine Erlebnisse in Pripyat schreibe ich an dieser Stelle: Die Geisterstadt